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April 1500: Die Besitznahme Brasiliens
Cabral kam nicht als Entdecker in die
Neue Welt wie Columbus, der zwei Jahre zuvor weiter im Norden
Kontinental-Amerika erreicht hatte. Er war vom portugiesischen
König Manuel I. ausgesandt worden, um Afrika zu umrunden und
nach Indien zu segeln. Um die ungünstigen Winde und Strömungen
an der afrikanischen Küste zu vermeiden, segelte die Flotte
einen weiten Boden in den Ozean hinaus und berührte dabei die
Küste Südamerikas. Man weiß nicht, warum die Schiffe so weit
nach Westen segelten. Es ist möglich, dass der 40 Jahre alte
Cabral, ein portugiesischer Edelmann mit wenig seemännischer
Erfahrung, einen falschen Kurs setzte. Es ist aber auch nicht
auszuschließen, dass er den geheimen Auftrag hatte, über die
Demarkationslinie zu segeln, die die Interessenssphäre der
Portugiesen von der spanischen trennte.
Aber Cabral war gar nicht der erste Europäer, der nach Brasilien kam.
Schon im Juli 1499 hat Amerigo Vespucci vermutlich die Küste
berührt und den Amazonas gesehen. Und noch ein anderer war vor
Cabral da: Vicente Yáñez Pinzón, Kapitän der
"Niña" auf Columbus ersten Reise. Pinzón
erreichte Brasilien im Dezember 1499 nahe Kap São Roque am
östlichsten Punkt des Kontinents. Die Spanier gingen an Land und
nahmen es in Besitz, offensichtlich nicht wissend, dass sie sich
noch in der portugiesischen Hälfte der Welt befanden.
Cabrals Landung in Südamerika war als
Entdeckung nicht bedeutend. Sie hatte vor allem politische
Bedeutung, denn sie festigte die Demarkationslinie zwischen
Portugal und Spanien und etablierte für Jahrhunderte den
portugiesischen Einfluss in Amerika. Es gibt allerdings einen
Aspekt, der oft vernachlässigt wird. Spanien hatte ohne Columbus
keine Ambitionen, den Ozean nach Westen zu überqueren. Wenn
Columbus nicht nach Amerika gesegelt wäre, und es gab zahlreiche
beinahe unüberwindliche Hindernisse, wäre möglicherweise
Cabral oder ein anderer Portugiese der Entdecker der Neuen Welt
geworden. Portugals Schiffe waren die einzigen seit 1492, die
unabhängig und mit völlig anderen Zielen auf dem Atlantik
fuhren. Es war beinahe unvermeidlich, dass eines Tages eines weit
genug nach Westen kommen würde. Alle andere Entdecker wie
Vespucci und Pinzón folgten dagegen nur den Spuren von Columbus.
Die Landung von Cabral läßt
sich leicht durch brasilianische Briefmarken dokumentierten.
Brasilien war 1900 das einzige Land, dass mit einer Briefmarke an
den 400. Jahrestag erinnerte (Michel # 138). Das nächstjährige
Jubiläum hat Brasilien seit 1996 mit einer Reihe von Ausgaben
begleitet (bis jetzt Michel # 2693, 2747, 2816/2817, Bl. # 108).
Pedro Alvarez Cabral selbst wurde
ebenfalls auf brasilianischen Briefmarken geehrt. 1968 gab es
zwei Ausgaben zur Erinnerung an seinen 500. Geburtstag. Eine
Marke (Michel # 1171) zeigt ein wohl realistisches Porträt des
Seemanns. Die andere Marke (Michel # 1175) zeigt ein Gemälde von
der ersten Heiligen Messe in Brasilien, die am 26. April 1500 von
Pater Henrique Soares de Coimbra, dem Anführer der acht
Franziskaner-Mönche an Bord der Flotte, gefeiert wurde. Ein
weiteres, stark idealisiertes Porträt Cabrals ist auf einer
Marke von 1984 zu sehen, die anläßlich der Briefmarkenschau
"Brasil '84" ausgegeben wurde; die andere Marke des
Satzes (Michel # 2033-2034) zeigt Columbus.
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