Christopher Columbus disovery of America

 

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Die Erde ist eine Kugel
Wie Columbus und seine Zeitgenossen sich die Welt vorstellten


Columbus und der Globus. Das Gemälde ist von Emile Lassalle (1839).
Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass Columbus 1492 mit seiner Entdeckungsfahrt nach Amerika die Kugelgestalt der Erde bewiesen und damit der Vorstellung, die Erde sei eine Scheibe, ein Ende gemacht habe. Den Beweis hätte er nur durch eine Umrundung der Erde angetreten. Das gelang Fernando Magellan erst 1519. Columbus ist ja nur bis Amerika gekommen, genauer gesagt hat er eine Reihe von Inseln entdeckt, die auch am Rande einer scheibenförmigen Erde hätten liegen können.
 
Tatsächlich stand die Kugelgestalt der Erde aber längst nicht mehr in Frage, als Columbus am 3. August 1492 in Palos de la Fronterra Segel setzte und nach Westen fuhr. Eine scheibenförmige Erde, an deren Ränder man ins Bodenlose stürzen würde, gab es Ende des 15. Jahrhunderts allenfalls im Volksglauben. Die Gelehrten waren seit Jahrhunderten der Überzeugung, dass die Erde eine sphärische Gestalt hatte. Ein Beweis dafür war seit der Antike bekannt: Die Erde warf bei jeder Mondfinsternis einen kreisförmigen Schatten, was nur mit der Kugelform erklärbar war.
 
Globus
Die bekannte Welt des Mittelalters lag auf einem Quadranten der Erde.
Im Weltbild des Mittelalters ging es um etwas anderes: um die Ausdehnung der bekannten Welt, die Bewohnbarkeit der übrigen Teile und die Verteilung von Erde und Wasser. Ausgehend von Aristoteles glaubten die Gelehrten der Antike und des Mittelalters, dass sich die Welt aus den Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer zusammensetzt. Jedes Element bildete eine eigene Sphäre. Diese Kugelschalen lagen ineinander und hatten einen gemeinsamen Mittelpunkt. Die Erde war die innerste Sphäre, die von der Wasser-Sphäre umgeben war. Dann folgten Luft und Feuer, schließlich die Himmelssphären.
 
Das Problem, dass die Gelehrten fast 2000 Jahre umtrieb, war, dass die Anschauung der uneingeschränkt akzeptierten Theorie nicht entsprach: Teile der inneren Erdsphäre lagen oberhalb des Wassers, sie ragten inselartig aus dem Ozean. Man versuchte diesen Umstand durch verschiedene naturphilosophische oder theologische Modelle zu erklären, etwa durch verschobene Sphären-Mittelpunkte oder einfach göttlichen Willen.
 
holzschnitt
Der Holzschnitt aus dem Narrenschiff von Sebastian Brandt von 1494 zeigt das sphärische Weltbild der Zeit mit einer übertrieben versetzten Erd-Sphäre
Nach der allgemein akzeptierten geografischen Vorstellung, die bei dem Astronomen Claudio Ptolemaeus ihren Ausgangspunkt hat, bestand die bekannte Welt aus Europa, Afrika und Asien. Diese so genannten Ökumene war allseits vom Ozean umgeben und nahm ein Viertel der Erde ein. Der nördliche, polare und der südliche, äquatoriale Teil galten wegen der klimatischen Verhältnisse als nicht bewohnbar. Die Ökumene lag auf einem der vier Kugelsegmente, die man erhält, wenn man die Kugel einmal entlang des Äquators und einmal von Pol zu Pol teilte. In mittelalterlichen bildlichen Darstellungen ist die Ökumene flach und kreisförmig bis oval. Darauf beruht vermutlich die irrtümliche Annahme, die Erde sei im Mittelalter als Scheibe angesehen worden.
 
Unklar war für die Gelehrten des Mittelalters, wie es auf den übrigen drei Segmenten aussah und ob es dort bewohnbare Gebiete gab. Auch war umstritten, ob der Ozean überall befahrbar war. Da keine gesicherten, empirischen Erkenntnisse vorlagen, blieben nur theologische und naturphilosophische Spekulationen, um diese Frage zu beantworten. Die Ergebnisse waren höchst unterschiedlich und widersprachen sich häufig.
 
Aber auch über die eigene Ökumene wussten die Gelehrten in Europa nicht viel. Zwar hatte sich die Kenntnis von der Welt im Laufe der Jahrhunderte ausgehend vom Mittelmeerraum in alle Himmelsrichtungen erweitert, aber vor allem über die östlichen Gebiete gab es wenig sicheres Wissen. Völlig spekulativ war die Ausdehnung Asiens. Idealtypisch wurde angenommen, dass sich die Ökumene von Westen nach Osten über den halben Globus erstreckte, also über 180 Grad, aber es gab viele, die eine abweichende Meinungen vertraten und eine größere Ausdehnung annahmen.
 
Schon der griechische Philosoph Aristoteles war der Ansicht, dass der Ozean zwischen den Säulen des Herakles (Gibraltar) im Westen und dem Ostrand Asiens nicht breit war und in wenigen Tagen überquert werden konnte. Columbus schätzte die Breite zwischen Spanien und Japan auf knapp 300 Grad. Tatsächlich ist die Ost-West-Ausdehnung des eurasisches Erdteils deutlich kleiner: Portugals Westspitze liegt bei etwa 9° 29' O, Chinas östlichster Punkt bei etwa 130° 47' O, Japan bei etwa 140° O. Eine wichtige Voraussetzung für die Westfahrt war natürlich auch die Annahme, dass der westliche Ozean befahrbar war.
 
Imago Mundi
Eine Seite aus der Imago Mundi von Pierre d'Ailly, von Columbus mit Randnotizen versehen.
In diesem Zusammenhang wird auch deutlich, dass ein vielfach geäußerter Vorwurf gegen Columbus, er habe sich die Fakten zurechtgebogen, um seine Pläne einer Westfahrt durchzusetzen, und sei deswegen vor den königlichen Prüfkommissionen in Lissabon und Salamanca durchgefallen, nicht haltbar ist. Es gab so viele konkurrierende und sich widersprechende Modelle, dass sich Columbus eines aussuchen konnte.
 
Columbus hätte also allein im Vertrauen auf Aristoteles, der unumstrittenen Autorität der Spätantike und des lateinischen Mittelalters, nach Westen absegeln können. Viele Gelehrte, wie der Franzose Pierre d'Ailly (1350-1420), teilten Aristoteles' Auffassung. Columbus besaß ein Exemplar von d'Aillys Hauptwerk, der Imago Mundi, und hat es mit zahlreichen Anmerkungen versehen. Die Ankunft in Asien wäre nur die Bestätigung eines seit der Antike diskutierten Weltbildes gewesen. So sah auch Columbus seine Entdeckung: Er war überzeugt, einige Asien vorgelagerte Inseln erreicht zu haben und dem Festland nicht mehr fern zu sein. Denn die Inseln lagen ungefähr dort, wo er Land erwartet hatte.
 
So hatten die Entdeckungen anfangs auch keine gravierenden Auswirkungen auf das herrschende Weltbild. Das gilt auch für die Fahrten der Portugiesen entlang der afrikanischen Westküste in den Jahrzehnten vor Columbus. Sie stellten das Weltbild nicht auf den Kopf, zeigten aber, was Jahrhunderte lang umstritten war: dass die äquatorialen Gegenden der Nord- und der Südhalbkugel nicht nur bewohnbar, sondern tatsächlich bewohnt waren. Erst mit der von Amerigo Vespucci gewonnenen Erkenntnis, dass Columbus einen neuen, unbekannten Erdteil entdeckt hatte, und der ersten Weltumseglung stürzte das alte Bild der Erde zusammen.

 

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